8 Giornate di Yoga

Hätte mir vor zwei Jahren jemand gesagt, dass ich acht wertvolle Urlaubstage opfern würde, nur um in der italienischen Provinz in einem alten Bauernhaus Yoga zu machen, ich hätte es nicht geglaubt. Aber jetzt: Eine Woche Yoga-Retreat, organisiert von yellow yoga, mit drei verschiedenen Lehrerinnen (Kirileigh Lynch für Jivamukti/Vinyasa, Anna-Luise Recke für Kundalini und Amanda Morelli für Pranayama und Hatha) und meiner geliebten Freundin Kathy. Dies ist ein absolut unvollständiges Journal besonderer Momente und neuer Erfahrungen.

_DSC8487Lass die Kundalini los

Kundalini-Yoga hatte ich noch nie gemacht. Was ich vorher „wusste“: Ziemlich esoterisch. Turbane. Die Übungen werden bis zum Umfallen rhythmisch wiederholt. Chakren und Magnetfelder. Viel Singen.

Was ich glaube, gelernt zu haben: Kundalini steht für die Lebensenergie, die man vom untersten ins oberste Chakra holen will, um einen Zustand des Glücks zu erlangen. Dargestellt wird Kundalini als schlafende, zusammengerollte Schlange, die es aufzuwecken gilt. Die Praxis im Kundalini-Yoga besteht aus Kriyas, Einheiten, die wie Rezepte funktionieren. Eine jede ist für bestimmte Zwecke gedacht, beispielsweise die Öffnung des Herzens. Die Übungen sind oft komplett anders als alles, was ich vorher je im Yoga gesehen habe. Eine ganz andere Art von Anstrengung – wie eine neue Sprache. Eine Praxis, die mir nicht die gleiche entspannte Befriedigung bringt wie Vinyasa. Aber ich merke, dass hier was in Gang kommt. Energie, die sich erst gegen mich aufbäumt („Wenn die Stimmen in eurem Kopf sagen, dass ihr nicht mehr könnt, glaubt ihnen nicht!“), dann aber Positives bewirkt. Anna-Luise ist eine unglaublich charismatische und leidenschaftliche Lehrerin, die unnötige Esoterik vermeidet und eine gute Portion Humor mitbringt. Es macht Spaß, von ihr zu lernen und Erfahrungen und Eindrücke mit ihr zu teilen.

Weniger reden, mehr chanten,

sagt Anna-Luise. Der Kehlkopf ist der Sitz unserer Ängste und Projektionen. Singen löst die. Da hocke ich also (fast) jeden Morgen um 7 Uhr, um Mantren auf Gurmukhi zu singen, einer vom Sanskrit abgeleiteten Sprache. Es ist überraschend einfach für mich, alle anderen Gedanken abzuschalten. Und als wir auf der Rückfahrt unseren Anschlusszug in Arezzo verpassen, weil wir zu entspannt Kaffee trinken (das haste von der inneren Ruhe!) singen wir einfach ein paar Zeilen, statt uns aufzuregen. Wha Yanti, Kar Yanti, Djag Dut Pati…

Still sein und still sitzen.

Donnerstag ist Silent Day. Und fasten. Am Abend vorher vergesse ich bei der Meditation vor lauter Angst und Sorge um mein Wohlbefinden sogar, nach 30 Minuten den Heldensitz absolut unbequem zu finden.  Aber ab Mitternacht halten wir brav den Mund. Entgegen kommt uns, dass für unser Unterfangen die perfekte Infrastruktur (für den Rote-Beete-Smoothie könnte ich nochmal fasten!) zur Verfügung steht. Außerdem würde sowieso keiner antworten, wenn ich redete.

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Also lese ich und starre ins Feuer im Küchenkamin. Die einen sind rastlos, die anderen offensichtlich extrem in sich versunken, bei einigen kommen Dinge hoch… ich schlafe viel, umarme Kathy, bin entspannt. Mein Unterbewusstsein scheint keine Gefühlsausbrüche für mich bereit zu halten. Die einsetzende Frustration über deren Ausbleiben hat fast etwas Komisches. Aber vielleicht ist es auch einfach gut so. Ich habe von meinem restlichen Leben eben gerade einfach mal vorübergehend losgelassen.

Dit is dit Universum.

Freitag. Immer noch warte ich lauernd auf den klassischen Weinkrampf nach unzähligen Hüftöffnern. Die Schleusen gehen dann völlig überraschend in einer Meditation auf. Amanda hat uns auf eine Reise ins Licht geschickt. Dana ist mir da über den Weg gelaufen und ich war unglaublich dankbar für alles, was ich mit ihr verbinde und teile und habe mich ihr sehr nah gefühlt. Anschließend sind mir zwei weitere Gestalten aus meiner Vergangenheit begegnet und haben mich mit einer Mischung aus Trauer, Freude und Verwunderung überschüttet. High von der Meditation, etwas Rotwein, zweimal tief einatmen, in den Schaukelstuhl setzen, im Hintergrund das Lagerfeuer, über mir der unglaubliche Sternenhimmel. Und Grit sagt: „Dit is dit Universum.“

My heart is so open right now.

Sonntag. Nachdem Entertainerin Kirileigh uns aufgefordert hat, eine Fantasie-Intention zu setzen (Glitzer! Einhörner! Schokoeis!) und einen letzten Flow mit absolut schräger Playlist und einem Haufen toller Asanas liefert, muss ich in der Abschlussrunde auch nochmal heulen. Kein Wunder, bei den ganzen Herzöffnern. Schön war’s, ihr lieben Yogis.

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DSC_7442Alle Fotos © Grit Siwonia Fotografie. Danke!

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