10.8 Gründe warum Yoga kein Sport ist

Warum Yoga kein Sport ist

Wenn man sich mit Menschen unterhält, die kein Yoga praktizieren, kommt irgendwann meistens diese Aussage: „Yoga? Ach ich sollte auch mal wieder Sport machen.“ Oder: „Ich bin nicht sportlich genug für Yoga.“ Auch beliebt: „Ich hab schon einen Sport.“ Ich möchte jetzt mal ein Missverständnis aufklären: Hier kommen10.8 Gründe, warum Yoga kein Sport ist.

1. Yoga bedeutet Einheit. Sport bedeutet Sport.

Bei vielen fängt es als Sport an. Und ehe sie sich versehen, singen sie Mantren unter der Dusche und suchen nach Gleichgesinnten beim Satsang oder Kirtan. Klar, ein Gemeinschaftsgefühl kommt auch bei manchen Sportarten auf. Die spirituelle Komponente, Einheit mit sich und der Gemeinschaft, ist jedoch im Yoga nicht zu leugnen.

2. Yoga wird mit Intention geübt.

Der Fokus der Yogapraxis geht über die physische Asanapraxis hinaus. Er soll die Aufmerksamkeit weg vom Ego bringen, hin zu Mitgefühl und Liebe. Wenn du schon länger Yoga praktizierst hast du es vielleicht selbst schon bemerkt: Du bist weicher, mitfühlender, offener geworden. Nein? Keine Sorge – wir setzen einfach eine Intention für dich, dann wird das schon was 😉

3. Beim Sport arbeitest du mit deinem physischen Körper. Beim Yoga arbeitest du mit drei Körpern.

Fitness geht nicht über das Körperliche hinaus. Egal ob Leistungssportler oder Gelegenheitsturner: Wenn dich über den physischen Aspekt hinaus nichts weiter interessiert, wirst du auch nicht damit konfrontiert werden. Das hat auch etwas sehr Gutes: der physische Körper ist schließlich der, an dem wir konkret etwas verändern können durch Sport und Ernährung. In der Yoga-Vedanta-Philosophie wird von drei „Körpern“ (Shariras) gesprochen: dem physischen, dem astralen und dem kausalen Körper. Yogapraxis wirkt sich auf alle aus – in unterschiedlicher Art und Weise. Und auch die Veränderungen des einen Körpers durch die Yogapraxis  wirken sich auf die anderen Körper aus. Hach, ist das kompliziert. Außerdem gehören zu Yoga auch Reinigungsrituale (Kriyas), Atemübungen (Pranayama) und Meditation (Dhyana).

4. Ziel beim Sport ist Fitness. Ziel beim Yoga ist Erleuchtung.

Erleuchtung ist ein großes Wort. Für die meisten ist es ein unvorstellbarer Zustand, den man sowieso nicht erreichen kann. Die Jivamukti-Begründerin Sharon Gannon sagt dazu: „No one can “do yoga.” Yoga means union with God. Yoga means eternal happiness, bliss, joy, and unconditional love. Yoga is who you are. It is your natural state. What we can do are practices that, by revealing to us our resistance to existing in our natural state, may lead us to it.”

Yoga ist sowohl das Ziel, als auch der Weg dorthin. Der Unterschied zum Sport ist hier ganz offensichtlich: Deine Fitness kannst du jederzeit messen. Deinen Erleuchtungsgrad nicht.

5. Beim Sport verbrennst du Kalorien. Beim Yoga verbrennst du Karma.

Die Gleichung beim Sport geht in etwa so: Bewegung x Zeit = Kalorienverbrauch. Beim Yoga ist sie eher: Vergangenes Karma – aktuelles Karma = vorhandenes Karma. Dieses Karma kannst du wiederum durch Yoga-Asana auflösen. Wer sich mehr für das Thema Karma interessiert, findet in diesem tollen Artikel von Jivamukti Lehrerin Janna Aljets weitere Informationen.

6. Beim Sport geht es primär um höher, schneller, weiter. Beim Yoga geht es um die Reise nach Innen.

Wer schonmal ein Runners-High hatte oder den Endorphin-Kick nach der Crossfit-Session erlebt hat, der weiß: Man will mehr. Immer mehr. Auch beim Yoga gibt es das „Yoga-High“, welches nach einer besonders anstrengenden Klasse für große Glücksgefühle sorgen kann. Manche behaupten dieses Yoga-High ist hinderlich für Yoga (schon wieder so kompliziert, ich weiß). Meiner Meinung nach ist hier die Intention entscheidend: Wofür praktizierst du? Wie setzt du die freigesetzte Energie ein? Erst was abseits der Matte passiert wird deine innere Ausrichtung beeinflussen und unterscheidet die Praxis von einer rein physischen Aktivität. Es geht beim Yoga nicht um Wettbewerb. Ok, außer hier.

7. Gefühle sind beim Sport eher hinderlich. Beim Yoga sind sie der Kern.

Fast jeder hat ihn schon erlebt: den Heulausbruch nach 10 Minuten in der Taube. Danach hast du dich wahrscheinlich erleichtert und befreit gefühlt. Angestaute Emotionen verhindern in uns oft den Weg zum Gefühl von Einheit (=Yoga). Darum ist das Loslassen dieser Emotionen so wichtig. Und das geht nur wenn man hindurchgeht – keine Zensur, kein Weichspüler, und kein oberflächliches darüber Hinwegfegen. Nicht alles was da so kommt wird dir gefallen. Und genau darin liegt das ungeheure Potenzial, den die Praxis mit sich bringt. Deine Mityogis kennen das und fangen dich im Zweifel auf. Beim Sport wird dich der Laufbandnachbar aber eher befremdet anschielen, wenn du plötzlich losheulst und deine Nase an seinem T-Shirt putzen willst.

8. Yoga ist Energie-erhaltend. Sport ist Energie-verbrauchend.

Kennst du das? Vor der Klasse fühlst du dich schlapp und müde. Nach der Klasse bist du ausgeglichen und entspannt. Umso mehr, je tiefer die Praxis ist – bei mir zumindest. Nach einem intensiven Workout kann so ein Gefühl auch auftreten, es hält jedoch nur bis zum Muskelkater. Vor allem aber liegt der Unterschied in der Aktivierung des Parasympatikus durch Entspannung beim Yoga und der Aktivierung des Sympathikus durch die Anstrengung bei vielen Sportarten.

9. Beim Yoga geht es um Bewusstseinserweiterung. Beim Sport geht es um Muskelerweiterung.

Egal wie anstrengend du die Yoga-Praxis findest: Es wird der Punkt kommen, an dem dein Körper dran gewöhnt ist. Wenn dein Ziel ist, deinen Körper immer fitter zu machen, ist es unverzichtbar, Sport zu treiben. Die Meinungen gehen hier zwar darüber auseinander, ob Yoga ein Workout sein kann oder nicht. Das Tempo ist aber meistens nicht ausreichend, um deinem Kreislauf ordentlich einzuheizen. Und darauf willst du die Praxis auch nicht reduzieren – also zieh dir regelmäßig ein paar Laufschuhe an und renn eine Runde ums Feld.

10. Sport endet wenn du aufhörst. Yoga endet … nie!

Unsere Übungen auf der Matte schärfen unsere Wahrnehmung und bereiten uns vor: auf alles, was abseits des Studios wartet. Hier beginnt die eigentliche Praxis. Sport ist Yoga. Aber Yoga ist kein Sport. Spätestens jetzt hast du erkannt: Eigentlich ist alles Yoga. Darum nimm es nicht allzu ernst. 

10.8 Sieht das aus wie Sport?

Wie ist es für dich? Ist Yoga dein Workout und was ist es noch? Lass es uns wissen in den Kommentaren!

Leggings: Hey Honey Yoga

1 Kommentare

  1. Wow was für ein super Artikel! Die Vergleiche zwischen Yoga und Sport sind sowas von treffend.
    Yoga ist für mich meine größte Leidenschaft, mein Lebensstil und meine Lebensphilosophie. Yoga ist Energiearbeit und die Vereinigung von Körper, Geist und Seele.
    Durch Yoga erkenne ich mein wahres Selbst und verabschiede mich von Attributen, von denen ich immer dachte, die ich wären…

    Corinna (yogiinside.at)

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