Ab ins Ashram! Ein Wochenende bei Yoga Vidya

Yoga plattform shiva statue

“Also irgendwie bin ich grade ganz schön entspannt dafür, dass ich gleich ein ganzes Wochenende mit komplett Fremden verbringe.” – “Ich glaub das ist ein gutes Zeichen!”
– So die letzte Unterhaltung mit meiner Freundin Maree per Whatsapp, bevor im Zug nach Horn-Bad Meinberg der Empfang flöten geht. Ich durfte am zweiten Maiwochenende an der “Zukunftswerkstatt Yoga 2030” im Yoga Vidya Zentrum, dem größten Ashram Europas, teilnehmen. Zusammen mit anderen Yogis aus ganz Deutschland habe ich Ideen rund um die Frage entwickelt, welchen Beitrag Yoga leisten kann, um die großen gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit zu meistern.

Spiri-Insel im tiefsten Deutschland

Der Yoga Vidya e.V. ist mir grob ein Begriff (wie oft habe ich schon in deren Yogawiki irgendwelche Sanskrit-Begriffe nachgelesen…), aber mehr auch nicht. Als ich Freitagabend im Bad Meinberger Zentrum, dem Mutterschiff des internationalen Vereins, ankomme, wird mir erst das Ausmaß bewusst. Eine ehemalige Kurklinik. Mehrere Gebäude. 650 Betten, 25 Yogaräume, ständig Yogalehrerausbildungen, Retreats und Seminare. Einfach, aber liebevoll gestaltete Räumlichkeiten und an jeder Ecke winkt mir eine Gottheit, die mir zuletzt in Mumbai begegnet ist. Hallo, Hanuman!

Das Zentrum ist so groß und weitläufig, dass ein Wochenende nicht reicht, um alles zu erkunden. Dabei haben alle Gebäude und Räume so klangvolle Namen wie “Chakra-Pyramide” und “Haus Shanti”. Mein persönliches Highlight: “Surya”, die Outdoor-Yogaplattform aus Holz.

Ab 5 Uhr morgens sind durchgängig Yogaklassen, Meditationen und Co. angesagt. Samstag früh nehme ich am großen Satsang teil, wo alle gemeinsam meditieren, chanten und mit einem kleinen Vortrag in den Tag starten. Das gemeinsame Sitzen, Schweigen, Singen und Zuhören katapultiert mich sofort zurück in mein Teacher Training in Indien. Am Sonntag schlafe ich aber trotzdem lieber länger und mache einen kurzen Spaziergang im Wäldchen, bis das offizielle Programm meiner Zukunftswerkstatt beginnt.

Externsteine Im Sonnenuntergang

Die Externsteine, ein Naturdenkmal und Kraftort ganz in der Nähe des Ashrams

Nicht mein Style. Na und?

Ich erwische mich natürlich öfter dabei, die hier praktizierte Sivananda-Tradition mit „meinem“ Jivamukti-Yoga zu vergleichen. Ihre Asana-Praxis ist etwas ruhiger, statischer. Ihre Spiritualität ziemlich old school, aber dafür mindestens ebenso hingebungsvoll wie die der Jivamuktis. Ähnliche Mantren werden gesungen und die eine oder andere Melodie kenne ich schon – ziemlich cool, diese Connection. Aber auch keine Überraschung, denn am Ende kommt ja alles aus der gleichen Quelle. Was mir aber vor allem mal wieder klar wird: Vielfalt ist wundervoll. Offenheit heißt, sich auch mal auf die Praxis einzulassen, die nicht der Gewohnheit entspricht.

Ich kann es natürlich trotzdem kaum erwarten, meine neu gewonnenen Yogi-Freunde in eine Jivamukti-Stunde mitzuschleppen. Und hoffe, dass sie dort genauso inspiriert werden wie ich von den Lehrer/innen und Übenden in Bad Meinberg.

Sowas von reif fürs Ashram

Nur, um das mal klar zu stellen: Ein Ashram ist keine Einrichtung für verlorene Seelen. Und ganz bestimmt keine Endstation. Man muss sich nicht gleich für Jahre verpflichten, wenn man seine Praxis in solch einer Gemeinschaft vertiefen will. Man kann sich dort für einige Tage oder Wochen als Gast oder Mithelfer aufhalten, Sivananda-Yoga, Pranayama und Meditation üben, an verschiedensten Seminaren teilnehmen und im Schwimmbad planschen. Es geht definitiv traditionell zu hier, und das eine oder andere wird dir vielleicht befremdlich vorkommen. Aber alles ist optional. Und wenn ich mir die Diversität des Publikums vom Teenager über die Yogini in Luxus-Leggings bis hin zum Qi-Gong-übenden Frührentner so anschaue, dann glaube ich, dass für jeden was dabei ist.

Am Ende hat Maree Recht gehabt: Es war ein gutes Zeichen. So sind es doch die Begegnungen und das ungefilterte “ich selbst sein” mit anderen Menschen, die einen ganz besonders berühren; und die gemeinsame Vision, die Welt ein bisschen besser zu machen. Aber darüber schreibe ich dann ein andermal. Danke für das schöne Wochenende!

Lust bekommen?

Kleiner Tipp: Vom 16. bis 20. August findet das Xperience-Festival statt, mit dem das Center gezielt auch junge Leute (naja, also uns halt!) ansprechen will und verschiedenste Lehrer und Acts zusammen bringt. Fände ich keine schlechte Gelegenheit für einen ersten Besuch.

Alle anderen Veranstaltungen und Besuchsmöglichkeiten kannst du bei Yoga Vidya direkt nachlesen.

Mehr über das gesamte Experience-Programm, in dessen Rahmen die Zukunftswerkstatt auch stattgefunden hat, findest du hier.

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(die meisten) Fotos © Christoph Harrach

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